Klagelieder 3
ELB2020
1 Ich bin der Mann, der Elend sah durch die Rute seines Grimmes.
2 Mich trieb er weg und ließ mich gehen in Finsternis und ohne Licht.
3 Nur
4 Verfallen ließ er mein Fleisch und meine Haut, zerbrach meine Knochen,
5 umbaute und umgab mich mit Gift und Mühsal.
6 Er ließ mich wohnen in Finsternissen, wie die Toten der Urzeit
7 Er ummauerte mich, dass ich nicht herauskann; er legte mich in schwere, bronzene Ketten
8 Auch wenn ich schrie und um Hilfe rief, verschloss er sein Ohr vor
9 Er vermauerte meine Wege mit Quadersteinen, kehrte meine Pfade um
10 Ein lauernder Bär war er mir, ein Löwe im Versteck.
11 Er ließ mich vom Weg abirren
12 Er spannte seinen Bogen
13 Er ließ in meine Nieren dringen die Söhne seines Köchers.
14 Ich wurde meinem ganzen Volk
15 Er sättigte mich mit bitteren Kräutern und tränkte mich mit Wermut.
16 Und er ließ auf Kies meine Zähne beißen
17 Du verstießest
18 Und ich sagte: Verloren ist mein Glanz
19 An mein Elend und meine Heimatlosigkeit zu denken, bedeutet
20 Und doch
21 Doch
22 Ja, die Gnadenerweise des Herrn
23 es ist jeden Morgen neu. Groß ist deine Treue.
24 Mein Anteil
25 Gut ist der Herr
26 Es ist gut, dass man schweigend hofft
27 Gut ist es für den Mann, wenn er ein Joch in seiner Jugend trägt.
28 Er sitze einsam und schweige, wenn er es ihm auferlegt.
29 Er lege seinen Mund in den Staub
30 Er biete dem, der ihn schlägt, die Wange, sättige sich an Schmach.
31 Denn nicht für ewig verstößt der Herr,
32 sondern wenn er betrübt hat, erbarmt er sich nach der Fülle seiner Gnadenerweise.
33 Denn nicht von Herzen demütigt
34 Dass man alle Gefangenen des Landes unter seinen Füßen zertritt,
35 dass man das Recht eines Mannes beugt vor dem Angesicht des Höchsten,
36 dass man einen Menschen beugt
37 Wer ist es, der da sprach, und es geschah – und
38 Kommt nicht aus dem Mund des Höchsten das Böse und das Gute hervor?
39 Was beklagt sich der Mensch, der noch
40 Prüfen wollen wir unsere Wege und erforschen und umkehren zu dem Herrn
41 Lasst uns unser Herz samt den Händen erheben
42 Wir, wir haben die Treue gebrochen und sind widerspenstig gewesen; du aber
43 Du hast dich in Zorn gehüllt und hast uns verfolgt; du hast uns umgebracht ohne Mitleid.
44 Du hast dich in eine Wolke gehüllt, sodass kein Gebet hindurchdrang.
45 Du hast uns zum Kehricht und zum Ekel gemacht mitten unter den Völkern.
46 Alle unsere Feinde reißen ihren Mund über uns auf.
47 Grauen und Grube sind uns zuteilgeworden, Untergang und Zusammenbruch.
48 Wasserbäche lässt mein Auge fließen
49 Mein Auge ergießt sich und kommt nicht zur Ruhe, tränt
50 bis der Herr
51 Mein Auge schmerzt mich
52 Wie einen Vogel jagten und jagten mich jene
53 Sie stürzten mein Leben in die Grube
54 Wasser strömte über mein Haupt. Ich sagte mir
55 Da rief ich deinen Namen an, Herr
56 Du hast meine Stimme gehört. Verbirg dein Ohr nicht vor meinem Seufzen, meinem Schreien
57 Du nahtest an dem Tag, als ich dich anrief; du sprachst: Fürchte dich nicht!
58 Du hast, Herr, meinen Rechtsstreit geführt
59 Du, Herr
60 Du hast gesehen all ihre Rachgier, alle ihre Pläne gegen mich.
61 Gehört hast du ihr Schmähen, Herr
62 das Gerede derer, die gegen mich aufgetreten sind, und ihren Spott über mich den ganzen
63 Ihr Sitzen und ihr Aufstehen schau dir an! Ich bin ihr Spottlied.
64 Übe an ihnen Vergeltung, Herr
65 Gib ihnen Verblendung des Herzens
66 Jage ihnen nach im Zorn und rotte sie aus unter dem Himmel des Herrn